Marc Röthlisberger

 

Die Gesunderhaltung von Pferden im Springsport steht für mich an erster Stelle

 

In jungen Jahren hatte Marc Röthlisberger mit Pferden nicht viel am Hut und das obwohl sein Vater einen Handelsstall besass und erfolgreich an Springturnieren im In- und Ausland teilnahm. Auch an das Pony in dieser Zeit hat er nicht so gute Erinnerungen, „es hatte mich immer abgeworfen“ schmunzelt er. Das hat sich inzwischen komplett geändert. Marc reitet Prüfungen bis Stufe S und erteilt Reitunterricht an ambitionierte Springreiter- und Reiterinnen und laut eigener Aussage sind Pferd heute seine Leidenschaft.

 

Nach der Schule absolvierte Marc zuerst eine Lehre als Koch. In diesem Beruf hat man meistens am Nachmittag Zimmerstunde und ist alleine unterwegs. Bald einmal wurde es dem Kochlehrling zu langweilig, da auch seine damals bevorzugten Sportarten Eishockey und Fussball am Nachmittag nicht stattfanden. So fing er mit den Pferden aus dem elterlichen Betrieb an zu reiten. Hatte der Vater gerade einmal Turnierpause, erteilte er dem Junior auch Reitstunden, nur eben nicht regelmässig. Dafür sprang dann Martin Habegger, welcher als Angestellter in dem Handelsstall arbeitet ein. Von Martin habe ich sehr viel profitiert erzählt Marc. Bald schon stellten sich erste Erfolge an Prüfungen mit der Holsteiner Stute „Larna“ ein.

 

Nach der Lehre als Koch arbeitet der Juniorreiter in verschiedenen Betrieben als Bereiter und schloss dabei die Ausbildung zum diplomierten Reitlehrer ab. Zurück im eigenen Betrieb kamen nach und nach die Erfolge in den höheren Prüfungen und gleichzeitig der Reitunterricht hinzu. „Das Unterrichten habe ich so nie gesucht, ich bin da „step by step“ reingerutscht, so Marc.

 

Inzwischen betreut und unterrichtet der 34-Jährige fünf Vereine und Private Reiter in der ganzen Schweiz. Fragt man ihn nach seiner Trainingsmethode und Philosophie erhält man von dem sympathischen und charmanten Emmentaler die Antwort:

 

„ Die Gesunderhaltung der Pferde ist mir ein wichtiges Anliegen. Dafür müssen Reiter und Pferd ein Team werden, welches einander vertraut.“ Dabei hilft ihm seine Beobachtungsgabe schnell zu erkennen, wo die Stärken und Schwächen des einzelnen Reiters und seines Pferdes liegen und daran zu arbeiten. Der Reiter muss sich dem Pferd anpassen, nicht das Pferd dem Reiter. Geduld ist ein weiterer wichtiger Punkt im Unterricht von Marc, Pferde nicht überfordern und mit Ausritten und Weidegang einen Ausgleich zum Turnier und Training schaffen.

 

Marc bietet individuellen Reitunterricht und Beritt von Kundenpferden an. Auch betreut er seine Schüler an einem Turnier und stellt Pferde an Prüfungen vor.

 

Seine persönlichen Trainer waren wie schon aufgeführt, Martin Habegger und Willy Melliger. Fragt man ihn nach seiner heutigen Weitebildung antwortet er: „Auf den Turnieren beobachte ich jeweils meine Konkurrenten sehr genau, wie verhalten sich diese auf dem Abreitplatz, wie gehen sie mit ihren Pferden in den Unterkünften um, da kann ich mir immer sehr viel aneignen und abgucken.“

 

Seit Generationen stehen Pferde bei Röthlisbergers im Mittelpunkt. Diese Tradition will Marc hochhalten und weiterführen. Als Ausgleich zum Reiten ist er dem Eishockeyspielen treu geblieben.

 

Das spezielle Pferd in seinem Leben war die Holsteiner Stute „Larna“ sie kam mit fünf zu Marc. Mit ihr hatte er seine ersten Erfolge an Springprüfungen. Zusammen durchliefen sie dann die Ausbildung und die Teambildung bis in die ganz hohen Prüfungen.

www.roethlisberger-pferde.ch

 

Autor: Theres Misar

 

Foto: Privat

 

 

 

 

 

Tiere sind gleichwertige Partner.

 

Der Zirkus Knie ist in der Schweiz eine Institution und geniesst ebenso viel „Swissness“ wie das Matterhorn oder das Schweizer Sackmesser. Nebst vielen Akrobaten, Clowns und Comedians sind die Pferde ein grosses, wenn nicht das grösste Highlight im Programm. Untrennbar mit diesen verbunden ist der Name Fredy Knie jun. PASSION freut sich, mit dem anerkannten und international renommierten Pferdekenner ein Interview zu führen zum Thema „Gewalt im Umgang mit Pferden“.

 

 

PPM: Heutzutage gibt es kaum einen Ausbilder der in seinem Programm nicht Schlagwörter wie: „gewaltfrei, sanft“ oder „ohne Druck“ verwendet. Das erweckt den Eindruck, als hätte man zu früheren Zeiten die Pferde zum gewünschten Resultat „geprügelt“?

 

FKJ: Früher gab es Beides, sowohl Gewalt, als auch einen sanften, korrekten und pferdefreundlichen Umgang. Heute gibt es viel mehr „sanft“, aber gleichzeitig immer noch Gewalt. Für mich gibt es nur einen Weg: ich akzeptiere nur gewaltfrei.

 

PPM: Wann beginnt Gewalt und wo ist es noch Konsequenz?

 

FKJ: Bis zur Gewaltanwendung darf es nie kommen, Konsequenz bedeutet noch nicht Gewalt. Aber stetiges Wiederholen einer Lektion welche das Pferd noch nicht beherrscht oder nicht weiss was von ihm verlangt wird, kann sehr wohl schon „Gewalt“ sein. Durch das Nichtverstehen der verlangten Übung kann beim Pferd Gegenwehr ausgelöst werden. Hier heisst es wachsam bleiben, damit keine negativen Reaktionen entstehen, welche in unschönen Szenen enden.

 

PPM: Bei Strafe eines Pferdes oder einem raueren Umgang mit ihm, wird oft das Argument gebracht: „Pferde gehen in der Herde auch nicht zimperlich miteinander um“. Kann dieses Argument einer kritischen Betrachtung standhalten?

 

FKJ: Klar gehen Sie nicht zimperlich miteinander um und es gibt auch Verletzungen. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass wir Menschen es den Pferden gleichtun dürfen. Wir wollen ja keine Rangordnungskämpfe mit unseren Pferden ausfechten, sondern das Pferd dahin bewegen, dass es ein Partner wird, welcher mit uns zusammenarbeitet und nicht gegen uns.

 

PPM: Welche Unterschiede in der Ausbildung von Pferden gibt es von „früher zu heute“?

 

FKJ: In der Kavallerie herrschte ein strenger Ton, das Pferd hatte zu gehorchen, es „musste“. Das hat sich stark positiv verändert, heute wird das Pferd als Partner wahrgenommen und nicht als „Gebrauchsobjekt“.

 

PPM: Wer Ihr Buch aufmerksam liest, komme zum Schluss, dass Sie Ihren Pferden keine Chance geben zuerst etwas Falsches zu lernen, dass dann wieder mühsam umgelernt werden muss, ist das richtig?

 

FKJ: Ja. Es liegt in der Kompetenz und Verantwortung des Menschen/Halter, dass wir den Pferden verständlich machen, was wir von ihnen wollen. Einem verdorbenen Pferd die Macken abzugewöhnen und zu korrigieren, ist um einiges mühsamer und langwieriger, als wenn ein junges Pferd von Beginn weg das Gewünschte richtig lernt.

 

PPM: Sie Herr Knie kaufen Ihre Pferde roh, das heisst sehr jung, etwa mit drei Jahren. So haben Sie die Gewährleistung, dass noch keine Untugenden antrainiert wurden. Was raten Sie all denen, die das nicht können oder wollen?

 

FKJ: Es ist klar, dass nicht jeder ein junges Pferd ausbilden kann. Beim Kauf eines schon älteren und ausgebildeten Pferdes ist es sehr hilfreich in Erfahrung zu bringen, durch wie viele „Hände“ das Pferd schon gegangen ist. Bei wie vielen Trainer es war und vor allem, wer was mit ihm gemacht hat.

 

PPM: Ein sanfter Umgang mit dem Wesen Pferd, bedingt ein grosses Wissen und eine gefestigte Persönlichkeit. So gesehen dürften viele gar keine Pferde halten oder reiten?

 

FKJ: Nein, das sehe ich nicht so. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Fehlt das Wissen, oder das Können sei es im Umgang oder im Reiten von Pferden, muss jede/r gewillt sein, sich helfen zu lassen, an sich zu arbeiten und die Hilfe und die Ratschläge auch anzunehmen und umsetzen.

 

PPM: Was tun mit schwierigen Pferden, oder anders ausgedrückt, Pferde mit besonderen Bedürfnissen?

 

FKJ: Auf das spezielle Wesen des jeweiligen Pferds eingehen, bereit sein sich zu hinterfragen. Versteht das Pferd was ich will? Muss ich einen anderen Weg einschlagen? Jedes Pferd ist individuell und braucht demensprechend Unterstützung.

 

PPM: Herr Knie haben Sie auch schon mal die Nerven verloren?

 

FKJ: Jeder Mensch verliert mal die Nerven, aber dies darf man niemals am Pferd auslassen. Durchatmen, wieder runterkommen und ruhig weiterarbeiten, dass ist die Devise.

 

PPM: „Testen“ die Pferde im Circus Knie auch?

 

FKJ: Aber selbstverständlich tun sie das, es sind alles Kinder, Lausbuben halt. Das ist die grosse Herausforderung, in dieser Situation mit den Pferden einen Weg zu finden, ihnen einerseits die Grenzen aufzuzeigen und zu vermitteln, dass jetzt gearbeitet wird, ohne hart oder unfair zu werden, andererseits sie in ihrer Persönlichkeit und Wesensart zu respektieren. Nach dem Training darf dann wieder nach dem Gusto jedes einzelnen getobt und gespielt werden.

 

PPM: Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass junge Pferde viel Energie haben und die Konzentrationsfähigkeit und das Zuhören in diesem Kontext schwer fällt. Wie gehen Sie damit um?

 

FKJ: Das Pferd ist ein Bewegungstier, es muss seine Energie ausleben und sich austoben können. Nach meinen Erfahrungen hat es sich bewährt, in solchen Fällen die Lektionen kurz zu halten. Will man konzentriert mit Pferden arbeiten und sollen sie den Kopf bei der Sache haben, sollten die Lektionen nicht länger als 20 Minuten dauern. Wem das zu wenig ist, kann z.B. 20 Minuten am Morgen trainieren, dann eine lange Pause einlegen und nochmals 20 Minuten am Nachmittag üben. Die eigentlichen Trainingseinheiten also eher kurz halten und dazwischen die Tiere laufen und sich frei bewegen lassen. So fällt es dem Pferd viel leichter, sich zu konzentrieren.

 

PPM: Kurse mit Zirkuslektionen boomen, bekommen Sie Konkurrenz?

 

FKJ: Konkurrenz ist nichts Negatives, im Gegenteil-- sie belebt das Geschäft. Ich begrüsse gut ausgebildete Kenner und Könner, die einem interessierten Publikum ihr Wissen rund um Zirkuslektionen vermitteln. So gerne ich mein Wissen ebenfalls vermitteln möchte, hat der Tag aber auch für mich nur 24 Stunden und der Betrieb „Zirkus“ braucht meine ganze Aufmerksamkeit und Energie. Es gibt aber in dieser Branche auch „Trittbrettfahrer. Sie glauben eine vermeintliche Marktlücke entdeckt zu haben. Nur einen Wochenendkurs besuchen und sich danach als „Könner und Lehrer“ ausgeben, funktioniert nicht. Dieses Halbwissen schadet dann mehr, als es hilft.

 

PPM: Herr Knie die Pferdewelt ist im Wandel. Viele althergebrachten Ansichten werden neu überdacht, oder hinterfragt. Wie sehen oder schätzen Sie die Situation ein“?

 

FKJ: Es wäre falsch zu sagen, dass früher alles schlecht war. Natürlich wurde früher auch vieles richtig gemacht. Für mich ist zentral, dass die Ansichten stetig überdacht und mithilfe neuer Erkenntnisse aktualisiert werden.

 

Autorin: Theres Misar

Bilder: Katja Stuppia Circus Knie

Markus Eschbach

 

Fröhlicher Sunnyboy, geduldiger Lehrer, Pionier des gebisslosen Reitens in der Schweiz, liebevoller Vater und neu auch noch im Gemeinderat aktiv – Markus Eschbach füllt viele Rollen. Wo andere längst mit einem Burnout zu kämpfen hätten, blüht er erst richtig auf. Nach zehn Jahren als Pferdetrainer und Reitlehrer auf Teneriffa lebt und arbeitet er seit 2008 zusammen mit seiner Frau Andrea wieder im deutschsprachigen Raum, seit 2013 auf der eigenen Anlage in Koblenz.

 

 

Wenn Markus mit seinen Schülern im Roundpen steht oder einem Pferd etwas Neues beibringt, staunt mancher über seine scheinbar unendliche Geduld. Ruhig und konsequent erklärt und wiederholt er, was er vom Gegenüber erwartet, gibt Hilfestellung, wenn es noch nicht so recht klappt, und lobt häufig und präzise. Sein pädagogisches Geschick kommt nicht von ungefähr. Markus ist ursprünglich Sozialpädagoge. Als solcher arbeitete er mit behinderten und verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen, denen er zum Teil auch Reitunterricht gab. 1995 lernte er Fred Rai kennen und liess sich vom gebisslosen Reiten begeistern. Er absolvierte die Ausbildung zum Reitlehrer und Pferdetrainer in Freds Trainingscenter in Dasing (Deutschland) und lehrte fortan in der Schweiz das Reiten ohne Trense. Damit hatte er eine Marktlücke entdeckt und konnte sich vor Nachfragen kaum retten was zunehmend seinen Tribut forderte: „Da ich zu dieser Zeit bei einer Plattenfirma gearbeitet habe, bin ich jeweils über Mittag mit Fit-Shake ausgerüstet (damit ich wenigstens etwas gegessen habe) zu den Reitschülern gefahren. Am Abend war dann das gleiche: nach der Arbeit schnell zu den Schülern“, so berichtet er von dieser Zeit und seiner zunehmenden Zerrissenheit. „Ganz oder gar nicht“, zwang er sich zu einer Entscheidung. Die Pferde siegten Markus wurde hauptberuflich Pferdetrainer und Reitlehrer.

 

Dabei sträubte sich Markus von Anfang an dagegen, nur einer Methode zu folgen. Er lernte von GaWaNi Pony Boy (USA), Peter Pfister und Heinz Welz (D), kombinierte Einflüsse des Round Pen Trainings von GaWaNi Pony, Seilarbeit von Alfonso Aguilar und Pat Parelli, Longen- und Kappzaumarbeit von Babette Teschen, Muskelaufbautraining (Equikinetic) von Michael Geitner, Feines Reiten nach Philippe Karl und Sibylle Wiemer u.a. Im Vordergrund steht dabei immer die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd. Markus schafft es immer wieder, Pferdebesitzern eine effektive Methode an die Hand zu geben, sich mit ihrem Pferd zu verständigen und mit ihm zu arbeiten. So kann eine neue, harmonische Partnerschaft zwischen Pferd und Mensch entstehen.

Er erachtet es als wichtig, dass „die Menschen zuerst mal ihre eigene Spezies besser verstehen (und damit sich selber)“, erklärt er eine Grundlage für seinen Erfolg. Deshalb integriert er in seinen Unterricht auch das Konzept der vier Persönlichkeiten nach Marcel Eschbach.

Nach einem speziellen Pferd in seinem Leben befragt, leuchten Markus Augen noch mehr als sonst und er schwärmt von Fabiola, einer Araber-Andalusierstute mit Jahrgang 1995: „Als ich sie in Tarifa zum ersten Mal sah, war es ´Liebe auf den ersten Blick`. Leider wurde sie da von einem Jungen geritten, der ihr eine Seretta über die Nase geschnallt hatte, so dass sie blutete. Die Narben sind heute noch sichtbar.“ Nach einem Proberitt (mit Schnurhalfter natürlich) kaufte er sie vom Fleck weg und hat seitdem eine vielfältige „Karriere“ hingelegt, von der Markus stolz berichtet: „In Teneriffa hat sie während 10 Jahren vielen Reitschülern das Reiten beigebracht und während unzähligen Ausritten die Reiter um den Vulkan El Teide sicher getragen. Sie ziert auf unseren Büchern meist das Titelbild, besonders wenn ich mit Halsring über die Felder reite. Noch heute ist sie aktiv im Bodenarbeit- und Reitunterricht dabei. Und hoffentlich bleibt sie noch viele Jahre so fit...“

 

www.eschbach-horsemanship.com

 

Pat Parelli:

 

Den Namen „Parelli“ hat schon fast jeder der sich mit Pferden befasst gehört. Was und wer ist Pat Parelli nun aber wirklich? Mystiker, Pragmatiker, oder ein guter Beobachter und Trainer? Er ist zur Zeit wohl der Name in der Pferdeszene, an dem sich die Geister scheiden.

 

Herr Parelli erzählen Sie uns doch kurz, wie Ihre reiterliche Ausbildung zustande kam?

Ich begann bereits als kleiner Junge zu reiten und half schon früh in den verschiedensten Ställen meiner Umgebung mit. Mit 13 Jahren lernte ich den erfahrenen Horseman Freddie Ferrera kennen. Er nahm mich unter seine Fittiche, und von ihm lernte ich viel über das natürliche Verhalten von Pferden sowie über die traditionelle altkalifornische Reitweise, welche mich bis heute fasziniert. Über die Jahre wurde ich von den unterschiedlichsten Persönlichkeiten unterrichtet... Troy Henry, Tom Dorrance, Ray, Hunt, Ronnie Willies... Das sind nur einige Beispiele. Ich bin ein „learn-aholic“.

Haben Sie zu einem Zeitpunkt in Ihrem Leben an Turnieren teilgenommen?

Ich mag Wettkämpfe! Mit 17 Jahren begann ich erfolgreich auf Rodeos zu starten. Die Disziplin „Reiten ohne Sattel“ hatte es mir besonders angetan. In den 80er und 90er Jahren startete ich mit meinen Pferden und vor allem auch mit meinen Maultieren auf unzähligen Reining- und Cutting-Turnieren. Später gab es dann mal eine wettkampflose Zeit in meinem Leben, wo ich mich hauptsächlich um den Aufbau meines Programmes kümmerte. Seit einigen Jahren hat mich das Wettkampffieber jedoch wieder gepackt. Mittlerweile starte ich regelmässig an Cutting-Turnieren. Letzten März wurde ich eingeladen mit einer Wildcard am Cutting-Turnier an der EQUITANA in Deutschland zu starten. Ich durfte den Hengst von Ute Holm reiten; das hat mich sehr gefreut.

 

Was ist Ihre Philosophie in Ihrem Training mit Pferden?

Sicherheit und Komfort sind die einzigen wirklichen Anreize für Pferde. Mein Programm hat nichts mit „Flüstern“ oder irgendwelcher Esoterik zu tun. Es ist uraltes Wissen. Ich habe es nicht selber erfunden. Ich habe lediglich einen Weg gefunden, um es für meine Studenten so aufzubereiten, dass es lern- und erfassbar wird. Jeder kann ein guter Horseman werden. Es gibt sieben Schlüssel zu echtem Erfolg mit Pferden: Die richtige Einstellung, dass man sich das nötige Wissen aneignet, die passenden Hilfsmittel benützt, die richtigen Techniken anwendet, genügend Zeit investiert, Fantasie hat und dass man sich wenn immer nötig kompetente Unterstützung holt.

 

Was war die Motivation, den von Ihnen gewählten Weg einzuschlagen?

Als junger Pferdetrainer merkte ich schnell, dass es da noch mehr gab. Es störte mich schon immer, dass Pferde oft wie Sportgeräte behandelt wurden. Es war für mich jedes Mal sehr frustrierend, wenn ich ein Pferd seinem Besitzer zurückgeben musste und genau wusste, dass er weder die Einstellung, noch das Wissen, geschweige denn die Einstellung hatte, um dem Pferd und seinen natürlichen Bedürfnissen gerecht zu werden.

 

Wie sieht Ihre Trainingsmethode aus, bzw. auf was legen Sie Ihr spezielles Augenmerk?

Natural Horsemanship ist umfassend. Es ist etwas, was ALLES, was man mit Pferden tut tangiert. Es ist nicht nur ein Trick, den man seinem Pferd beibringt. Es fängt am Boden an, geht weiter übers Reiten, bis hin zu fundierter Pferdepsychologie. Im Umgang mit Pferden bedeutet ALLES etwas. Wie man das Pferd von der Weide holt, wie man es führt, anbindet, putzt, sattelt, wie man aufsteigt, losreitet... Reiten ist viel mehr als einfach aufzusteigen, mit den Beinen zu kicken und an zwei Zügeln zu ziehen. Im Parelli Programm geht es genau darum und noch um viel mehr. Hier lernt man wirklich gut mit Pferden zu werden, unabhängig davon wie mutig, talentiert oder sportlich man ist. Jeder kann auf seine Weise so gut mit seinem Pferd werden, dass sogar das Pferd denkt, dass sein Mensch echt gut ist! Alter, Reitart, Rasse des Pferdes, Ziele etc. spielen keine Rolle. Es geht um die Beziehung zwischen uns und dem Pferd. Es geht um Vertrauen, Sicherheit, Respekt und Kommunikation. Es geht darum, dass das Pferd gerne mit uns zusammen ist, dass es uns gerne folgt und uns gerne als Leader akzeptiert.

 

Gab oder gibt es in ihrem Leben ein spezielles Pferd?

es gab und gibt mehrere. Aber ganz besonders erwähnenswert ist meine Quarter Horse Stute „Magic“. Wie es schon ihr Name verrät... Für mich ist sie magisch. Sie kam als unreitbares hypersensibles Problempferd zu mir, und sie lehrte mich unglaublich viel. Es war schwierig, und es brauchte seine Zeit. Danach erlebte ich mit ihr jedoch eine Partnerschaft und eine Verbundenheit, ja fast schon eine Symbiose, welche ich danach mit keinem Pferd mehr in dieser Form erlebte. Mittlerweile ist sie 25 Jahre alt und geniesst ihren Lebensabend auf unserer Ranch. Sie wird immer in meinem Herzen sein.

 

Parelli Team Schweiz

Tel. +41 (0)81 834 49 39

www.parelli-instruktoren.com

 

Autor: Seraina Bertschinger

Foto „Katja Stuppia"

PASSION, Special „who is who“ mit verschiedenen Ausbildnern, von Karin Rohrer

 

 

 

Doris Süess

 

Die Anlage SinTakt hiess 1989 noch Mascot Ausbildungszentrum und wurde von Doris Süess gegründet. Koordinations- und Bewegungspark, Reithalle, Round Pen, Agility und Extreme Trail Park, Springgarten und ein wunderschönes Ausreitgelände lassen vielseitige Trainingsmöglichkeiten zu. Individuelles und auf Pferd wie Reiter abgestimmtes Training sind hier möglich.

 

 

 

Wie kamen sie zum Reiten und gibt es in Ihrem Leben ein spezielles Pferd?

 

Meine Jugendzeit war geprägt von wilden Ausritten auf unausgebildeten Ponys und chaotischen Gruppenausritten. Nach der Zeit im Spitzensport konnte ich mir den Traum vom eigenen Pferd ermöglichen. Sportlich immer noch sehr aktiv, nahm ich an ‘Ride und Tie‘, Distanzritten und Triathlon teil. Alles lief wunderbar, bis ich den Shagya Araber ‘Galabajan‘ kaufte. Heftige Reitunfälle folgten und Abklärungen ergaben die Diagnose unreitbar infolge Arthrose in der Sattellage. Dadurch lernte ich eine ‘andere‘ Ausbildungswelt kennen, die damals zwar noch sehr klein war, mir aber die ersten Impulse gab. ‘Galabajan‘ war der Beginn von mir und SinTakt und wurde 35-jährig.

 

 

 

Welche Trainer und Ausbildner haben Sie inspiriert?

 

Viele der Trainer aus meinen Anfangszeiten bei SinTakt sind auch noch nach über 25 Jahren wichtige Ansprechpartner für mich: Linda Tellington-Jones (Boden- und Körperarbeit), Richard Hinrichs (Barockes Reiten und Handarbeit), Pedro Torres (Klassisches Reiten und Working Equitation). Neben der wertvollen Zusammenarbeit mit tollen Ausbildnern profitiere ich von jedem Pferd, mit dem ich arbeiten kann. Sie motivieren mich jeden Tag und fordern mich heraus, nach Lösungsansätzen zu suchen.

 

 

 

Wofür genau steht SinTakt?

 

Was am Anfang mit verschiedenen Teilstücken begann, formte sich im Laufe der Zeit zu „SinTakt“. Für mich ist es wichtig, die Synergien in der Ausbildung mit dem Pferd zu nutzen. Ich versuche so zu trainieren, dass ich das, was ich in der Bodenarbeit mache, mir auch beim Longieren und Reiten nützt. Innovativ in der Arbeit mit den Pferden und Menschen zu sein, heisst für mich, nach pferdegerechten und individuellen Lösungen zu suchen. Das macht mir Spass und motiviert mich immer wieder auf’s Neue. Im Takt zu sein mit dem Pferd oder den Respekt des Pferdes zu erlangen, mag ich lieber als das Word ‘Dominanz‘. Im Training mit den Pferden möchte ich, dass das Pferd seine Persönlichkeit behält, und ich trotzdem seinen Respekt gewinnen kann.

 

 

 

Welche persönlichen Weiterbildungen haben Sie absolviert?

 

Am Anfang stand bei mir ganz klar der Wunsch, mit Pferden zu arbeiten. Doch bald schon merkte ich, dass ich noch so gut mit den Pferden arbeiten konnte, ich musste auch den dazugehörigen Menschen erreichen können. So schloss ich den NLP Trainer ab, bin Kinesiologie Instruktor, dipl. Coach.

 

 

 

Nach welchen Grundsätzen arbeiten Sie?

 

Der klare Fokus ist die klassische Reiterei. Die Arbeit am Boden ist ein wichtiger Bestandteil in der Ausbildung. Das Pferd optimal auf seine Arbeit unter dem Sattel vorzubereiten, Koordination, Beweglichkeit zu optimieren und ganz einfach Spass zu haben oder auch mit rekonvaleszenten Pferden zu arbeiten ist mein Fokus. Die Ausbildung des Reiters ist unabdingbar, abwechslungsreiche Sitzlongenarbeit, Reitunterricht abgestimmt auf die Persönlichkeit und Ausbildungsstand von Pferde und Reiter sind für mich zentral. Der Pferdebesitzer soll die Hintergründe des Trainings verstehen und so zu Hause erfolgreich weitertrainieren können. Der schönste Erfolg ist für mich, die Entwicklung der Pferde und Menschen zu erleben und zu sehen.

 

www.sintakt.ch

 

 

 

Fotos: Heinz Ineichen SinTakt

 

PASSION, Special „who is who“ mit verschiedenen Ausbildnern, von Karin Rohrer

 

 

 

Roland Messerli

 

Schon als kleinen Jungen faszinierten ihn die Cowboys des Wilden Westens. 1994 reiste er zum ersten Mal nach Kanada und besuchte dort seine Verwandten Häni und Therese Gasser auf ihrer Ranch. Er packte tatkräftig mit an bei den Arbeiten auf der Farm und sofort nahm es dem jungen Schweizer den Ärmel rein. Er wollte unbedingt mehr Erfahrungen sammeln als Cowboy.

 

So reiste Roland Messerli ein Jahr später wieder nach Kanada und war auf der Dixon Creek Ranch. Beim ausgewanderten Schweizer Rancher-Ehepaar Kemptner fand Roland Arbeit. Er half auf dem Betrieb, trieb Vieh und machte seine ersten Versuche mit dem Lasso. „Das gefiel mir so gut, dass ich bald jeden Sommer im Westen verbrachte, dort rohe Pferde kaufte, um sie dann nach einem Monat wieder als geritten zu verkaufen“, sagt Roland Messerli. Dieses „learning by doing“ auf verschiedenen Ranches in den USA und Kanada legte den Grundstein für den Horseman, welcher kein Mann grosser Worte ist und lieber beobachtet und weiterlernt. Er versuchte, so viel wie möglich von erfahrenen Cowboys abzuschauen, las unzählige ‘Western Horseman-Magazine‘ und schaute bei örtlichen Kursen zu. Die Arbeit von Ray Hunt und Peter Campbell mit ihren Pferden beeindruckten den jungen Schweizer und er besuchte Clinics dieser namhaften Ausbildner.

 

Begeisterung für die Kalifornische Reitweise

 

Einen Sommer verbrachte Roland Messerli bei Doug Mills in seinem Trainingsstall in Kamloops. Dann lernte er Buckaroo Nick Reinhard kennen, der nun ausschliesslich junge Pferde anreitet, auf seinem Hof in Alberta. Roland Messerli kann nicht von sich sagen, dass er nach einer bestimmten Trainingsmethode arbeitet. Sicherlich sind seine Erfahrungen durch die Bekanntschaften in Kanada stark von der Arbeitsreitweise geprägt und er interessiert sich sehr für die alt Kalifornische Reitweise. Und das steht sicher im Vordergrund, dass aus einem rohen, jungen Pferd einmal ein zuverlässiger und williger Partner heranwächst. „Ich bin immer ein bisschen vorsichtig, wenn es um bestimmte Trainingsmethoden geht. Ich arbeite in erster Linie mit einem Individuum dem Pferd. Jedes hat seine eigene Persönlichkeit, wie wir Menschen“, erklärt der Ausbildner.

 

Ausreiten und Kühe besuchen

 

Normalerweise startet er mit einem jungen Pferd am liebsten im Round Pen, um es an den Sattel zu gewöhnen. Dann reitet er es die ersten zwei, drei Mal mit dem Halfter und wechselt dann schon zu Trense oder Bosal, je nach Pferd oder Wunsch des Besitzers. Sobald wie möglich, macht er auch kurze Ausritte und geht mit dem Pferd auf eine Weide, um Bekanntschaft mit den Rindern zu machen. Der Trainer versucht, einem jungen Pferd eine Aufgabe zu geben, zum Beispiel ein Tor zu öffnen. „Mir scheint, dass ein Pferd die Hilfen besser annimmt, wenn es einen Sinn in der Arbeit sieht“, erklärt der 45-Jährige. Seine schönsten Momente mit Pferden beschreibt Roland Messerli mit prägnanten Worten: „Meine richtig schönen Erfolge sind dann spürbar, wenn ich Jemandem helfen konnte mit seinem Pferd etwas besser klar zu kommen“. So beschreibt er seine Motivation im Training: „Die Herausforderung besteht für mich darin, herauszufinden, was jedes individuelle Pferd in genau diesem Moment braucht“. Und für den Cowboy aus dem bernischen Gürbetal lässt sich Glück in einem Satz beschreiben. „Wenn ich auf einer Ranch den ganzen Tag Rinder sortiert habe und am Abend todmüde, aber unverletzt und zufrieden ins Bett falle“. Es gibt ein spezielles Pferd in seinem Leben. „Das ist mein Quarterhorse-Wallach ‘Fätze‘. Er ist für mich eine sehr zuverlässige Hilfe beim Ausbilden von jungen Pferden und wir konnten auch schon einige Erfolge an Turnieren feiern“.

 

 

 

Fotos: horsefotograf.ch

 


Autorin Theres Misar. Foto zVg.

 

Reiten um des Reitens Willen.

 

 

 

Ein jedes Pferd so auszubilden und zu reiten, dass seine schönsten Anlagen und grössten Stärken zum Vorschein gebracht werden, ist das Credo von Jürg Röthlisberger

 

 

 

Aufgewachsen am Stadtrand von Bern, kam der heute in Schüpfen lebende Jürg Röthlisberger schon früh in den Kontakt mit den Bereitern aus der damaligen EMPFA (des heutigen NPZ). Sie inspirierten ihn auch, das Reiten „von der Pike auf“ zu lernen. Es folgte eine dreijährige Lehre als Bereiter und anschliessend eine Anstellung im Stall Notz in Kerzers. Hier festigte Jürg seine Kenntnisse vor allem im Springsport, die Dressur war zu diesem Zeitpunkt noch nicht seine echte Passion. Gustav Fischer (ein Schweizer Dressurreiter, der von 1952 bis 1968 bei fünf Olympiastarts drei Silber- und zwei Bronzemedaillen gewann) war es, der den Grundstein zu seinem weiteren sportlichen Werdegang in der Dressur legte.

 

1985 kam er durch einen Zufall in Kontakt mit Georg Wahl. Das war der Beginn einer grossen Freundschaft. Durch ihn lernte er die spanische Hofreitschule in Wien kennen und schätzen. Jürg hatte dann das Glück, dass ihn Georg Wahl, nachdem er Kurse bei ihm besucht hatte, als Bereiter in Kirchberg SG engagierte. Wahl’s Philosophie und Arbeitsweise brachte bei dem jungen Bereiter „eine Saite zum Klingen“, derer er sich bis dahin nicht bewusst war. Das Reiten um des Reitens Willen, jedes Pferd – unabhängig von Rasse und Neigung – so auszubilden, dass es sich zu tragen lernt, und als Reitpferd ein langes und gesundes Leben führen kann. Turniere zu bestreiten war nicht primär das Ziel dieser Ausbildung, sondern „ein angenehmer Nebeneffekt“. Unter der Führung von Georg Wahl begann Jürg Kundenpferde auszubilden und Reitstunden zu erteilen. Schon bald war er ein gefragter Reitlehrer und sein Kundenstamm reichte bis ins benachbarte Ausland, unter anderem nach Süddeutschland und Italien.

 

Zeitgleich mit der Gründung seiner Familie wagte er 1990 auch den Schritt in die berufliche Selbstständigkeit in Form eines Handelsstalls für Dressurpferde, das gehört aber inzwischen der Vergangenheit an. Eigene Pferde besitzt Jürg Röthlisberger heute nicht mehr. Stattdessen ist er seit ca. zehn Jahren sehr viel unterwegs und bildet Pferde und Reiter bei seinen Kunden vor Ort aus. Nach wie vor bietet er Hand bei der Suche nach geeigneten talentierten Reitpferden. Unverändert nimmt Jürg auch heute noch regelmässig an Seminaren und Workshops der Hofreitschule in Wien teil. So ist der sympathische Reitlehrer als einer der Wenigen in der Schweiz in der Lage, Pferde sowohl an der Hand als auch am Langen Zügel bis zu höchstem Niveau auszubilden.

 

Auf die Frage „gab oder gibt es ein besonderes Pferd in Ihrem Leben?“ gibt Röthlisberger daher auch eine wenig erstaunliche Antwort: „Das eine spezielle Pferd in meinem Leben war „Russo“, ein lettisches Warmblut. Mit ihm hatte ich an der Jubiläumsshow der Pferdesporttage in Bern 2014 einen Auftritt am Langen Zügel. Mit Lektionen wie Piaffe, Passage, doppelte Pirouette und Einerwechsel im Galopp brillierte Russo und das obwohl er zu diesem Zeitpunkt bereits über 20 war“.

 

 

 

Die jahrelang bestehende Zusammenarbeit mit der Reiterin und Besitzerin von „Russo“ ermöglichte dieses spezielle Training. Aber, so betont Jürg, sei jedes Pferd speziell und es sei seine Aufgabe und Philosophie, Pferd und Reiter in ihren Anlagen zu fördern und zu fordern. Dem Reiter die Freude am Reiten zu vermitteln und dem Pferd ein langes und gesundes Leben zu ermöglichen.

 

 

 

Kasten

 

„Die Arbeit am Langen Zügel wird nicht umsonst als die Krönung der Pferdeausbildung bezeichnet. Sie erfordert ein höchstes Mass an Vertrauen zwischen Pferd und Mensch sowie eine hohe Versammlungsfähigkeit und Durchlässigkeit des Pferdes. Schön wird ein Langer Zügel, wenn Reiter und Pferd wirklich miteinander harmonieren, wenn das Pferd zu tanzen beginnt."

 

Andreas Hausberger, Oberbereiter der Spanischen Hofreitschule, Wien

 

Pedro Torres

Mehrfacher Welt- und Europameister in der Disziplin „Working Equitation“ (WE), Dressurreiter, Trainer, Lehrer und  ehemaliger Bereiter der portugiesischen Hofreitschule. Die Vita des 40jährigen Portugiesen kann sich sehen lassen. Sein Credo für und mit dem Pferd lautet:
„Ich finde immer eine Lösung“

Mit fünf Jahren begann Pedro Torres zu reiten und seit dieser Zeit faszinieren ihn Pferde. Schon in ganz jungen Jahren fühlte er, dass es wichtig ist, den eigenen Körper beim Reiten zu kontrollieren. Das Zusammenspiel der Muskeln des Reiters, sowie die Balance auf dem Pferdrücken sind entscheidend für den Erfolg.

Sein Vater war sein allererster Reitlehrer. Es folgten viele Trainer und Ausbilder in den verschiedensten Disziplinen. Den grössten Einfluss auf seine reiterliche Laufbahn aber hatte und hat bis zum heutigen Tag, João Pedro Rodrigues.  Pedro Torres versuchte sich als Reiter in den Sparten Stierkampf, Springen, Dressur und klassisches Reiten. Für Ihn bedeutet reiten Passion. Mit grösstem Interesse beobachtet er andere Reiter, vor allem sehr gute Reiter, egal in welcher Reitweise und versucht das Gesehene als Effort in seine Arbeit einfliessen zulassen. Im Moment arbeitet er mit dem Trainer Richard White um in der Sparte „Dressur“ in welcher er vermehrt startet, das nötige „Know How“ zu erhalten.

Gefragt nach seiner Trainingsmethode und Philosophie erhält man folgende Antwort:
„Bekomme ich ein Pferd in die Ausbildung beobachte ich zuerst seine freien natürlichen Bewegungen und seine Balance. Zeigt mir das Pferd einen guten Galopp oder Trab, suche ich einen Weg im Training um das alles noch zu verbessern. Es ist meine Aufgabe die guten Anlagen in einem Pferd zu finden und zu fördern. Gibt es ein problematisches Verhalten beim Pferd, versuche ich die geeigneten gymnastischen Übungen zu finden. Diese Übungen fördern den Muskelaufbau und die verbesserten Muskeln helfen mir beim Reiten der Lektionen. Die beste Gymnastik gibt mir die beste Bewegung und mit dieser Bewegung kann ich alle Übungen reiten. Ich bin nie hart zu einem Pferd. Ich überschreite niemals die Grenze welche ein Pferd mir anbietet. Ich akzeptiere das Limit welches sein Körper und seine Muskeln aufzeigen. Es ist sehr wichtig für mich, zu wissen warum ein Pferd sich unkooperativ verhält. Ich muss verstehen wo das Problem liegt, ist es ein mechanisches, ein muskuläres oder ein mentales. Danach arbeite ich an einer Lösung um dem Pferd zu helfen die Schwierigkeiten zu überwinden damit wir uns als Team weiterentwickeln können. Wenn ich fühle, dass das Pferd mir vertraut und meinen Anweisungen folgt, ist das für mich die grösste Motivation. Für mich gibt es nichts Schöneres als zu unterrichten und Lösungen zu finden für Pferd und Reiter.

Die Frage nach seinen Erfolgen an Turnieren erübrigt sich eigentlich. Pedro Torres ist der unangefochtene König in der Welt des „Working Equitation“. Zur Zeit sieht man ihn vermehrt an Dressurprüfungen in Europa. Er hat verschiedene gute Lusitanos im Stall – allen voran der spektakuläre „Ahoto“. Einer seiner pragmatischen Aussagen lautet:
„Habe ich ein gutes Pferd für die WE, starte ich dort. Habe ich ein gutes Pferd für die Dressur, starte ich dort“.

Mein spezielles Pferd.
Das ist der inzwischen 21jährige Lusitanohengst „Oxidado“. Keiner sammelte mit seinem Reiter so viele Welt- und Europameistertitel, keiner war so lange Zeit ungeschlagen in der Disziplin „Working Equitation“ wie der weisse Hengst. Ursprünglich war der junge Hengst ein Pferd mit besonderen Bedürfnissen mit welchen Pedro umzugehen wusste. Beindruckt vom Können des Reiters, stellte die Besitzerin den Hengst Pedro Torres zur Verfügung und dieser enttäuschte ihn nie. Die Leistungen des weissen Lusitanos an den Turnieren werden schwer zu schlagen sein. Das Ausnahmepferd geniesst heute seinen Ruhestand.

 

Kasten

João Pedro Rodrigues ist Reitmeister an der Portugiesischen Schule der Reitkunst, der Escola Portuguesa de Arte Equestre in Queluz, 16 km östlich von Lissabon. Die Escola Portuguesade Arte Equestre wurde 1979 vom portugiesischen Landwirtschaftsministerium in der Tradition der ehemaligen Königlichen Reitschule wieder gegründet und ist für Portugal heute so wie die Wiener Hofreitschule für Österreich.

 

Alle Informationen zu Kursen, Büchern und DVD’s erhalten Sie unter:

http://www.sintakt.ch/working-equitation/working-equitation-aktuell.html

Bilder: SinTakt

Autorin: Theres Misar/Doris Süess